Andreas Ballnus (anbas)
 
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(c) Andreas Ballnus
Aufgeschnappt

'Aufgeschnappt' ist eine Rubrik in der Stadtteilzeitung BACKSTEIN, in deren Redaktion ich seit über zehn Jahren ehrenamtlich mitgearbeite. Hier sammele ich Erlebnisse, die ich im Alltag vor allem als Ohrenzeuge miterleben durfte, und die ich dann später im BACKSTEIN in Form einer kurzen Glosse wiedergebe*.

*Sämtliche meiner hier wiedergegebenen Texte sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne ausdrückliche Erlaubnis in keiner Form wiedergegeben oder zitiert werden.


 
 
 
Viagra
 
April 2002, eine Bushaltestelle am Bahnhof Aumühlen. Ein junges Pärchen nähert sich.
Er : „ .... aber es soll so was geben, die 'Pille für den Mann'.“
Sie   : „ Ja, habe ich auch gehört, dass es so was geben soll.“
Er : „ Viagra!“
Sie   : „ Ich glaube, das ist etwas anderes.“
Er : „ Ja, genau das Gegenteil.“
Sie   : „ Na ja, muss auch mal sein, oder?“
 
(BACKSTEIN, Nr. 17, 2004)
 
 
 
Auto, Auto
 
Oktober 2002, im Bus auf dem Ring 2, kurz vor der Haltestelle Straßburger Straße:
Ein Junge, ca. 3 Jahre alt, plappert immer vor sich her: „ Auto! Auto! Auto!“ und zeigt dabei aus dem Fenster.
 
Der junge Vater, auf dessen Schoß der Junge sitzt, zu einer älteren Dame: „ Der sagt immer nur 'Auto, Auto', statt 'Mercedes Benz, Baujahr '86'!“
 
(BACKSTEIN, Nr. 17, 2004)
 
 
 
Nachts auf Amrum
 
September 2003. Abends am Watt von Norddorf auf Amrum. Dunkelheit. Stille. Warten auf den Mondaufgang. Es ist Vollmond. Ich sitze auf einer Bank und blicke auf die Lichter von Föhr, der Insel auf der anderen Wattseite. Bald wird der Mond aufgehen. Noch ist es aber dunkel.
 
Ich mag die Dunkelheit. Wie ein sanfter Schleier hat sie sich um mich gelegt.
Auf meiner Bank bin ich kaum zu sehen. Stimmen nähern sich. Sie gehören zu einer Gruppe von Frauen. Die Stimmen sind nicht mehr ganz jung. Man scheint vom Essen zu kommen.
 
„...wenn Du pupsen musst, dann mach’ doch!“
 
„Nein, nicht hier - sonst fällt noch eine von Euch um. Nachher auf'm Zimmer, da bin ich allein und kann das Fenster aufmachen.“
 
„Na, wenn Du so lange durchhältst, ist ja gut...“
 
Sie gehen weiter. Vorbei an meiner Bank.
 
Plötzlich, ein paar Schritte weiter: „Du, ich glaube, da saß jemand!“
 
„Und wir reden übers Pupsen...“
 
Sie kichern.
 
Ich liebe die Dunkelheit.
 
(BACKSTEIN, Nr. 18, 2005)
 
 
 
Klartext
 
Freitagabend, ein Restaurant mitten auf dem Dulsberg. Ich will eine recht anstrengende Woche nett ausgleiten lassen. Das Restaurant ist fast leer, aber ungewöhnlich viele Tische sind reserviert.
 
Meinen Gedanken nachhängend warte ich auf mein Essen. Am Nebentisch zwei Frauen vertieft im Gespräch. Ich will nicht zuhören, doch unweigerlich erreichen mich einzelne Gesprächsfetzen, die mich aus meinen Gedanken reißen:
 
"....Doch, so ist das! Hier auf dem Dulsberg wird klar und gerade Gesprochen, nicht solches verbales Herumgerede. Das würde doch keiner verstehen. Wenn der in seinen Laden kommt, sagt der: Hau ab, Alter! Der würde den doch gar nicht kapieren, was man von ihm will, wenn er ihm sagen würde: Verlassen Sie bitte mein Geschäft.... !"
 
Stimmt, den Klartext habe ich in meinen sechzehn Jahren Dulsberg auch schon zu spüren bekommen. Und während ich an meine Anfänge hier im Stadtteil zurückdenke, ist man am Nebentisch bei der Politik angekommen.
 
"....laber, laber, laber! Viele von denen kenne ich. Ich bin auch mal dort gewesen. Die sollen uns vertreten. Aber Du musst mal sehen: die meisten von denen fahren einen dicken Wagen. Die fahren dann später nach draußen aufs Land..... Man sieht das doch beim Dulsbergbad oder der Bücherhalle. Laber, laber nichts als Labern. Und die soll ich dann wählen? .....Die Marktleute machen auch nicht mehr Umsatz. Da hätten die auch dort hinten bleiben können. Da kommt doch keiner aus Blankenese, um hier 'nen Apfel zu kaufen. Aber da kommst du ja nicht gegen an......."
 
Oha, denke ich. Meinen die etwa den Stadtteilrat? Na, die Mitglieder werden sich freuen, wenn sie das hier im BACKSTEIN lesen....
 
Es wird lauter im Restaurant. Meine Aufmerksamkeit richtet sich wieder ganz auf mein Essen. Schließlich bin ich ja auch deswegen hierher gekommen - und nicht, um irgendwelche Leute zu belauschen. Doch als ich dann beim abschließenden Espresso angelangt bin, fliegen mir wieder einige Gesprächsfetzen zu. Sie lassen erkennen, dass am Nebentisch immer noch über Politik gesprochen wird.
 
"....Die müssen sich doch überlegen, was sie tun. Da bauen sie für 150 000 ein Scheißhaus hin und lassen es dann verkommen....!"
 
Ja, so ist das hier auf dem Dulsberg - da wird Klartext gesprochen.
 
(BACKSTEIN, Nr. 19, 2006)
 
 
 
Wichser
 
Morgens, kurz vor acht Uhr in einem Linienbus in Hamburg. Schulkinder sind eingestiegen. Es sind vor allem jüngere Kinder - erste und zweite Klasse, vermute ich. Kurz nachdem der Bus wieder angefahren ist, geht ein kleines Mädchen nach vorne. Sie ist vermutlich gerade mal sechs Jahre alt. Ihre Stimme ist im ganzen Bus zu hören.
 
"Du-u, Busfahrer, da hat einer gesagt, du bist ein Wichser - und der ist noch hier im Bus!"
 
Eine kurze Pause entsteht. Doch der Busfahrer schien etwas gesagt zu haben. Das Mädchen geht wieder zurück in den mittleren Teil des Busses. Wieder unüberhörbar redete sie dann weiter.
 
"Du sollst nach vorne kommen und es ihm direkt ins Gesicht sagen!"
 
Stille.
 
"Na, geh doch! Oder hast du Angst?"
 
Nicht nur ich drehe mich um. Ein Junge, vielleicht ein oder zwei Jahre älter als das Mädchen lehnt an der verschlossenen Tür des Busses.
 
"Lass mich in Ruhe!", murmelt er.
 
"Der hat ja wirklich Angst!", schallt die Stimme des Mädchens erneut durch den ganzen Wagen, kurz bevor dieser hält und die Kinder nach draußen entlässt.
 
(BACKSTEIN, Nr. 20, 2006)
 
 
 
Der Grillabend
 
Geburtstagsfeier bei einem Freund. Es wird gegrillt. Seine beiden Söhne, acht und zehn Jahre alt, sind mit dabei.
 
Einige Würstchen und Steaks später, fragt mich der Zehnjährige, wie viel ich denn schon gegessen hätte. Ich überschlage grob die Menge und sage sie ihm.
 
"Das ist ja mehr, als ich gehabt habe", meint er überrascht, um dann aber triumphierend hinzuzufügen: "Ich hatte dafür aber mehr Brot als Du - also steht es unentschieden!"
 
Für einen Moment kann ich meinen Mund nicht halten und lasse mich auf den Wettbewerb ein. "Ich habe aber wesentlich mehr Salat gegessen als Du", sage ich grinsend.
 
Geschlagen zieht der Lütte von dannen. Doch nach kurzer Zeit sehe ich, wie er sich eifrig über den Nachtisch hermacht - immer einen wachsamen Blick auf mich werfend. Ich habe genug und verzichte.
 
"Jetzt steht es aber unentschieden - Du hast keinen Nachtisch gegessen."
 
Ich nehme das Patt großzügig an.
 
Zwanzig Minuten später. Der Junge war kurz zuvor eilig im Haus verschwunden. Jetzt kommt er verlegen grinsend zurück.
 
"OK, Du hast gewonnen - ich musste mich gerade übergeben."
 
(BACKSTEIN, Nr. 21, 2007)
 


Zwischenruf
 
17. November 2007 - das erste Dulsberger Kulturmosaik ist im vollen Gange. Ich spaziere mit einer Gruppe von rund 30 Zuschauerinnen und Zuschauern über den Dulsberg. An den einzelnen Stationen bleiben wir stehen und schauen den kleinen Aufführungen zu.
 
Auf dem Weg von der dritten zur vierten Station kommen wir an einer Gruppe von Dulsbergern vorbei, die gerade ihr Wochenendbier trinken. "Hey, was wird das denn?" ruft einer mir zu.
 
"Das ist hier das Dulsberger Kulturmosaik! Ein Rundgang mit kleinen künstlerischen Darbietungen - Musik, Ausstellung, Lesung und so weiter. - Du kannst gerne mitkommen!" antworte ich.
 
Antwort: "Lass mal, ich hab heute schon gelesen."

(BACKSTEIN, Nr. 22, 2008)




Gesprächsfetzen
 
Schon seit längerem veröffentliche ich im BACKSTEIN unter dem Motto "Aufgeschnappt" eine Glosse. Es sind Erlebnisse, die tatsächlich geschehen sind. Manche Begebenheiten sind allerdings so kurz, dass sie keine komplette Glosse ergeben, aber zu schade sind, um sie unbeachtet in der Schublade verschwinden zu lassen.
 
"Sie sollen hier Büffelwurst haben", so der Gast im Schnellimbiss.
Der Verkäufer hält eine Wurst hoch. "Meine Sie diese hier?"
"Keine Ahnung. Steht das da irgendwo drauf?"
 
Ich liebe solche Dialoge und Situationen. Sie springen mir regelrecht vor den Notizblock, den ich fast immer dabei habe. Es sind Geschenke des Schicksals. Sowie auch neulich, als ich einen beruflichen Termin vereinbaren wollte. Die Anruferin, sagte entschuldigend, dass sie nur gebrochen Deutsch spräche, und dann: "In Suaheli wäre es für mich einfacher…"
 
Und noch ein Beispiel. Ein etwas längerer Dialog, den ich - ebenfalls während der Arbeit -  mit der Mitarbeiterin einer Wohnungsbaugesellschaft führte:
 
Ich: "Die Überweisung kann sich noch etwas hinziehen. Die Gründe dafür liegen nicht in meiner Hand. Wenn wir Pech haben, kann das noch einige Wochen dauern."
Sie: "Können Sie nicht einen Teilbetrag überweisen? Mein Vorstand lyncht mich sonst."
Ich: "Das täte mir sehr leid, aber es geht wirklich nicht."
Sie: "Ich bin aber noch zu jung, um zu sterben!"
Ich: "Das glaube ich Ihnen jetzt einfach mal so."
Sie: "Gott sei Dank haben wir noch kein Bildtelefon!"
 
Herrlich, so kann die Arbeit Spaß machen!
 
An dieser Stelle möchte ich mich bei all denjenigen bedanken, die mir bisher eher unfreiwillig das Material für meine Glossen geliefert haben. Machen Sie bitte weiter! Unterhalten Sie sich auch in Zukunft ganz zwanglos in der Öffentlichkeit, nehmen Sie bei Telefonaten kein Blatt vor den Mund, reden Sie in Cafés oder in der U-Bahn bitte laut und deutlich. Vielleicht bin ich ja gerade mit meinem Notizblock in Ihrer Nähe.

(BACKSTEIN, Nr. 23, 2009)


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